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Alexandrow & Partners

Rechtsberatung und M&A

Investitionen und M+A-Transaktionen in Russland 2018-2020: Optionen für den deutschen Mittelstand und Finanzinvestoren nach der Wirtschaftskrise

Aktuelle Lage

Russische Regionen bleiben für viele deutsche mittelständische Unternehmen ein Terra Incognita. Trotz vieler Geschäftsbeziehungen auf der Ebene Vertrieb von Fertigprodukten nach Russland gehen deutsche Unternehmen noch sehr vorsichtig an die Frage der Unternehmensgründung bzw. Erwerb von Aktien(Anteilen) bestehender Unternehmen in den russischen Regionen.

In diesem Aufsatz werden einige Beispiele aus der Praxis unserer Gesellschaft, die aus den Büros in Moskau, Jekaterinburg, Krasnodar, Kasan und von der Küste des Schwarzen Meeres in der Nähe von Olympia-2014-Gelände M&A-Projekte realisiert, vorgestellt.

Nach der handlungsarmen Periode fast in allen Wirtschaftsbranchen Russlands in den Jahren 2015-2016 vermerken wir im Moment  aktive Tätigkeit russischer Unternehmer, die weder die staatliche finanzielle Unterstützung noch Finanzierung seitens Privatbanken in der Krisenzeit bekommen haben, begonnene Investitionsprojekte wiederzubeleben. Das Kernproblem besteht in der fehlenden Liquidität bei  vielen russischen Unternehmen, wo die Aktionäre bzw. Gesellschafter nur noch selten wissen, wie wichtig in den Krisenzeiten Ratschläge eines erfahrenen Finanzdirektors oder eines Wirtschaftsjuristen sind. Entstandene Schwierigkeiten konnten von mehreren russischen Geschäftsleuten rechtzeitig nicht erkannt werden, trotz der reichen Erfahrung, in den Krisenzeiten der 90-er das eigene Geschäft zu gründen, am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln.

M&A-Aktivitäten in Russland während und nach der Krise werden hauptsächlich durch die Notwendigkeit der Lösung solcher Probleme verursacht. Suche nach alternativen Finanzierungsmethoden macht Verhandlungspositionen vieler Unternehmenseigentümer realistischer und flexibler, jedoch die allgemein herrschende Vorsichtigkeit und oft sehr kurzfristige Entwicklungsprognosen von Analysten innerhalb einer bestimmten Branche bilden erhebliche Hindernisse auf dem Weg zu einer erfolgreichen M&A-Transaktion. Desto besser ist die Schilderung der aktuellen Lage in einem Land, wo noch sehr viele Geschäfte ihren Eigentümern Einnahmen mit Gewinnraten in Hundertprozentsätzen bringen und ganze Nischen nicht erschlossen bleiben.

Situation und Perspektiven einzelner Branchen

Tendenzen für die Fortsetzung von  M&A-Transaktionen in der Nachkrisenperiode unterscheiden sich von Branche zu Branche.

Development

Russischer Immobilienmarkt in allen Sektoren, sei es Wohn-, Gewerbe- oder Büroimmobilien, war vor 2008 und vor 2014 richtig überhitzt. In fast allen großen und auch kleineren Städten kaufte man fertige Flächen bzw. investierte man in Kapitalbau nur mit Spekulationsabsichten, da die Preissteigerung in jeder russischer Region jährlich Prozentsätze mit soliden zweifachen aufwies.

 Beispiel aus unserer Praxis:

Im Frühling 2008 starteten wir ein Projekt im Sektor Wohn- und Handelsimmobilien in einer Millionenstadt am Fluss Wolga begleiten. Für die Errichtung von ca. 525.000 Quadratmeter Wohnungen auf dem eigenen Landgrundstück benötigte unser Mandant Co-Investitionen, die in Form der Gründung eines geschlossenen Immobilieninvestmentfonds bzw. durch dir Gründung eines JV ins Projekt herangezogen werden konnten. Projektwert – EUR 518 Mio., durchschnittlicher Selbstkostenpreis pro 1 Qm – EUR 750,- (geschätzter Verkaufspreis 1 Qm – EUR 1.200,-), 1 Hektar Land innerhalb der Stadtgrenzen ca. EUR 2,65 Mio. Im August 2009 wurde das Projekt vorübergehend eingestellt, russische Banken vergeben seit Oktober 2008 kaum Hypothekenkredite. Stand Februar 2010: Bauherr beinahe insolvent, Selbstkostenpreis unter herrschenden Baustoffpreisen – EUR 450,- (aktueller Preis für 1 Qm – EUR 650,-), wachsende Nachfrage für fertige Wohnungen in der Stadt, das föderale Programm für die Errichtung von 1-Familienhäusern wird in ganz Russland noch nicht fortgesetzt. Unsere Prognose: Gute Einstiegschancen für einen Finanzinvestor mit Einhaltung des Investmentfonds-Konzeptes unter Voraussetzung Beginn von Verkäufen an Endverbraucher mit Unterstützung von Bankhypotheken frühestens Anfang 2011 (geschätzter Verkaufspreis 1 Qm für 2011 – EUR 800,-).

Petrochemie

Benzinproduktion hat sich im Jahre 2009 um ca. 30 % reduziert. Neue Raffinerien, größere oder kleinere, wurden während der Krise nicht gebaut. Amortisierung bei laufenden Raffinerien erreicht 50-60 %.

 Beispiel aus unserer Praxis:

Start-up Projekt im Wolga-Föderalbezirk – Errichtung einer Mini-Raffinerie in der unmittelbaren Nähe von 2 Millionenstädten und mehreren Städten mit Bevölkerung von 100.000 bis 700.000 Einwohner, mit garantiertem Absatzmarkt an Tankstellen (Produktion von 400.000 t Benzin im Jahr). Projektwert – EUR 100 Mio., IRR – 42,7 %. Unsere Prognose: Exzellentes Projekt, Realisierung erschwert durch fehlendes Eigenkapital bei der Projektgesellschaft, Realisierung seit Ende 2010 in Form der Gründung eines JV mit Übernahme von Mehrheitsanteilen möglich.

Produktion von Pharmamittel

Biologisch aktive Zusätze (BAZ) werden überwiegend von 6 russischen Produzenten hergestellt. Im Unterschied zu europäischen Staaten wächst der Absatz von BAZ in Russland rapide. Klassische Arzneimittel werden zu ca. 60 % aus dem Ausland importiert, was gegen das Konzept der nationalen Sicherheit verstoßt.

 Beispiel aus unserer Praxis:

Mittelständisches Unternehmen, spezialisiert auf BAZ-Produktion. Eigentümer beabsichtigt den Verkauf von Mehrheitsanteilen an einen Strategen. Projektwert ca. EUR 250 Mio.

Baustoffindustrie

Nach einer ungewissen Situation in 2015-2016 erscheint die Modernisierung und Neuaufbau vieler regionaler russischer Produktionsunternehmen, insbesondere mit Endziel Produktion von innovativen Baustoffen, ein sehr perspektivreiches und rentables Tätigkeitsfeld zu sein.

Beispiel aus unserer Praxis:

Produktion von modernsten Isolierungsstoffen im Süden Russlands. Projektwert EUR 12,5 Mio., IRR über 35 %, garantierter Absatzmarkt bei größten russischen Monopolen im Sektor Verkehr, Erdöl- und Gastransport sowie bei mittelständischen Bauunternehmen. Option der Erweiterung der Produktion in 2 weiteren Regionen zur Deckung von Bedarf im europäischen Teil Russlands.

Nahrungsmittelindustrie

Während Getreideproduktion Russland zum größten Weltexporteur in den Jahren 2016 und 2017 gemacht hat und Überschüsse auf dem Binnenmarkt immer größer werden, sind Fleisch- und Fischzucht und Verarbeitung weitgehend unterentwickelt. Ca. 30 % Rindfleisch und ca. 10 % Schweinefleisch werden aus Südamerika und aus Asien importiert, Verarbeitungsunternehmen stammen überwiegend aus sowjetischen Zeiten und bedürfen einer kompletten Modernisierung.

Beispiel aus unserer Praxis:

Errichtung eines Fleischverarbeitungswerks nach modernstem Projekt in einem russischen Megapolis. Projektwert EUR 160 Mio., IRR über 35 %, Beteiligung am regionalen Programm für Lebensmittelsicherheit (garantierter Absatz bei öffentlichen und privaten Stellen). Ein Stratege bzw. Finanzinvestor wäre ideal dafür, um das Projekt kombiniert mit Exportfinanzierung der Ausrüstung aus europäischen Staaten zu realisieren.

Landwirtschaft

Wie bereits erwähnt, bringt die Entwicklung von Fleischproduktion in Russland beste Rendite in den nächsten 7 bis 10 Jahren.

Beispiel aus unserer Praxis: 

Großer europäischer Fleischproduzent, der sich z. T. auch auf Fleischverarbeitung spezialisiert, investiert seit zwei Jahren in Schweinezucht im Süden Russlands. Produktionskosten 1 kg Schweinefleisch – ca. EUR 2,-, Großhandelspreis –  ca. EUR 3,- bis EUR 12,-. Hervorragendes Beispiel für andere europäische mittelständische Landwirtschaften. Vorteil: Noch viele freie Landflächen und Überschuss an Getreideproduktion (langzeitig niedrige Getreidepreise auf dem Binnenmarkt, was z. B. Schweinezucht entsprechend hochprofitabel macht). IRR eines vergleichbaren Projekts kann sicher über 35 % liegen.

Maschinenbau und Metallverarbeitung

Ansiedlung von Herstellern von Autokomponenten um die neu errichteten Autowerke im Gebiet Kaluga, Gebiet Leningrad, Gebiet Kaliningrad, Gebiet Rostow und Republik Tatarstan wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Bereits existierende potenzielle Targets sind interessant nur unter Voraussetzung der Durchführung der Modernisierung der existierenden Produktion. Diese Option soll mit der Option eines eigenen Start-Up Projekts aufmerksam verglichen werden. M&A grundsätzlich bei der Analyse von Zulieferanten von AUTO-VAZ, GAZ oder UAZ (Sollers) und nur wegen bestehender Vertragsbeziehungen und Personal interessant.

An vielen Unternehmen gibt es den aktuellen Modernisierungsbedarf durch Lieferungen ausländischer Ausrüstung, also M&A-Transaktionen sind mit Exportkrediten zu verbinden und zu strukturieren.

Beispiel aus unserer Praxis:

Ansiedlung eines europäischen Herstellers von Autokomponenten im Gebiet Kaluga.

Finanzsektor

Konsolidierung von russischen Banken setzt sich fort, interessante Angebote in der Hauptstadt Moskau sowie in den Regionen sind zu finden. Von den eiligen M&As bis 2008 ist man jetzt zu länger ausgehandelten Transaktionen gekommen. Aktuelles Ziel der Zentralbank: Kürzung der Zahl der Banken und Steigerung der finanzieller Stabilität einzelner Institutionen mit Banklizenzen.

 Beispiel aus unserer Praxis:

Veräußerung mehrerer Banken an größere russische Banken der Föderalen Ebene bzw. an ausländische Banken 2005 bis 2009.

Tendenzen bei der Erholung von der Wirtschaftskrise. Fazit

Makroökonomische Parameter deuten auf die mittel- und langfristige Attraktivität von Investitionen in Russland sowie auf Optionen für M&A Transaktionen in mehreren Branchen, darunter Ankauf von existierenden Unternehmen und Gründung von JVs.

Wie unerwartet und unnatürlich schnell die Wirtschaftskrise Russland und auch den russischen M&A-Markt erwischt hat, so schnell wird sich die Lage mit M&A-Aktivitäten positiv entwickeln.

Ein russischer Schriftsteller hat einmal geschrieben: „Russland kann man nicht verstehen, an Russland muss man nur glauben“. Unser kleiner Zusatz aus eigener Erfahrung: „An Russland glaubt man besser mit einem russischen M&A-Berater. So versteht man Russland sicher langzeitig und systematisch schon richtig“.